
Ich möchte Dich heute an einer wichtigen Erkenntnis teilhaben lassen, weil mir das Thema im Coaching immer wieder begegnet.
Je länger ich Menschen begleite, desto mehr Wert lege ich darauf, die eigene Perspektive zu hinterfragen – und immer wieder zu wechseln –, statt sich vorschnell von vermeintlich „toxischen“ Menschen oder Energien fernzuhalten.
„Lass uns doch mal über etwas Schönes reden. Nicht immer über diese negativen Dinge.“
Diesen Satz höre ich immer wieder. Im Coaching. Bei Freunden. Und früher habe ich ihn selbst gesagt.
Dabei ging es nie um das Thema an sich, sondern vielmehr um die Haltung, die ich damals dahinter wahrzunehmen glaubte. Mich störte mehr die Art, wie manche Menschen über Politik, Umwelt, Ungerechtigkeit, Krankheit oder Konflikte sprachen. Es wirkte auf mich, als würden sie in dieser Sichtweise feststecken, statt – so wie ich es schon immer gerne tat – nach Lösungen zu suchen. Es schien, als würden sie sich in Problemen, negativen Gedanken und ihrer Sichtweise verlieren.
Ich dachte: „Warum schaut dieser Mensch nicht endlich auf das, was möglich ist?“
Vielleicht weißt Du ganz genau, wovon ich spreche? Vielleicht kennst Du solche Menschen. Und vielleicht hast Du sie – genau wie ich damals – innerlich längst einsortiert: negativ, anstrengend, destruktiv, damit will ich nichts zu tun haben. Vielleicht verdrehst Du innerlich die Augen, fühlst Dich genervt und hast keine Lust auf ihre „Negativität“. So zumindest ging es mir damals.
Weißt Du, was ich dann oft gemacht habe? „Ach komm, lass uns doch mal über etwas Schönes reden.“ Mit diesem Satz habe ich die andere Person und ihren vermeintlich negativen Flow unterbrochen.
Boah, wenn ich das heute schreibe, schäme ich mich, wie hochnäsig ich damals war. 🥺
01
Was ich nicht wusste
Ich hatte null Ahnung, wie wir Menschen „funktionieren“.
Ich wusste nicht, dass unser Gehirn über eine Art Belohnungssystem verfügt und Dopamin ausschüttet, wenn dieses angesprochen wird. Natürlich wusste ich auch nicht, dass dieses System bei jedem Menschen auf völlig andere Dinge reagiert.
Beim einen springt es auf die Blümchen am Wegesrand an, beim anderen auf das Lösen kniffliger Aufgaben, beim nächsten auf die Beschäftigung mit anspruchsvollen Themen. Der eine liebt Mathe, der andere Sprachen. Einer mag Berührung, der andere Distanz. Eine Person hört lieber zu, während eine andere gern redet.
Wir sind alle so verschieden, so individuell, so einzigartig.
Genauso individuell ist unser Belohnungssystem. 🙏
✨ Niemand kann von außen beurteilen, wie Dein System funktioniert.
✨ Und genauso wenig kannst Du beurteilen, welche Funktion ein Gespräch, eine Sichtweise oder ein Verhalten für Dein Gegenüber hat.
Jeder Mensch ist völlig individuell und einzigartig, hat seine eigene Geschichte und seine eigenen Mechanismen. Was für den einen gut und positiv ist, langweilt einen anderen – und umgekehrt.
Natürlich ist auch unser Belohnungssystem geprägt. Wir dürfen und können unsere eigene Prägung erkennen, verstehen und – wenn wir so tief gehen wollen, wie wir es beispielsweise in unserer Spirigruppe tun – auch verändern und uns schließlich ganz daraus lösen.
Was wir aus meiner Sicht allerdings nicht tun sollten, ist, an anderen Menschen herumzudoktern und sie dazu bringen zu wollen, ihr System zu verändern. Der Wunsch nach positiven Gefühlen und Gesprächen entspringt schließlich Deinem System, Deinen Werten und Deinen Bedürfnissen.
Und genau diese Erkenntnis hat bei mir schließlich dazu geführt, meinen Blick vollständig zu ändern.
02
Stell Dich in ihre Schuhe
Wahrscheinlich sehnst Du Dich – genau wie ich damals – nach inniger Verbundenheit, tiefgehenden Gesprächen, echter Nähe und einem gesunden Miteinander.
Und gleichzeitig merkst Du vielleicht gar nicht, wie Du diese Verbundenheit durch Deine Haltung und Deine Forderung selbst untergräbst, wie Du den anderen von Dir schiebst, statt Verbundenheit zu erzeugen.
Ist das nicht verrückt?
Stell Dich doch einmal für einen Moment in die Schuhe der anderen Person.
Du beschäftigst Dich mit einem Thema, das Dich fasziniert. Je tiefer Du eintauchst, desto mehr Zusammenhänge erkennst Du. Du liest, hörst Podcasts, schaust Dokumentationen, sprichst mit anderen. Alles ergibt plötzlich Sinn. Dein Gehirn läuft auf Hochtouren. Du möchtest Deine Gedanken teilen. Einfach weil Dich dieses Thema so bewegt, weil Du andere daran teilhaben lassen willst.
Doch Du merkst, dass die anderen das gar nicht hören wollen. Du siehst, wie sie die Augen rollen. Wie sie das Thema wechseln.
Wie sie sagen:
„Du bist immer so negativ.“
„Lass uns doch mal über etwas Schönes reden.“
Und irgendwann fängst Du an, an Dir selbst zu zweifeln: „Vielleicht bin ich wirklich zu negativ.“, „Vielleicht denke ich falsch.“, „Vielleicht sollte ich mich ändern.“ Vielleicht fühlst Du Dich abgelehnt, irritiert, unsicher.
Ich ende an der Stelle mal mit dem Perspektivenwechsel, denn ich bin sicher, Du weißt und fühlst längst, worauf ich hinauswill.
03
Die Fragen, die alles verändern 🌶️
Deshalb mache ich es kurz:
Wer ermächtigt Dich eigentlich zu entscheiden, was positiv oder negativ ist?
Wie kommst Du überhaupt zu einem Urteil darüber, was konkret „positiv“ bzw. „negativ“ ist? Woher hast Du die Gewissheit, das beurteilen zu können?
Was wäre, wenn Du Deine Urteile und Interpretationen für einen Moment komplett loslassen könntest?
Was würde sich verändern, wenn Du Dich ehrlich für die Sichtweise des anderen interessieren würdest, statt sie sofort zu bewerten?
Und vor allem: Was wäre, wenn Du erkennen und annehmen könntest, dass genau das, womit sich die andere Person beschäftigt, was sie bewegt, sagt und denkt, für sie absolut positiv ist? Dass sie ihr Belohnungssystem aktiviert?
Vielleicht entsteht innige Verbundenheit genau dann, wenn Du Dich dafür entscheidest, diese Art von Verbundenheit selbst zu erzeugen. Indem Du aufhörst zu entscheiden, wie der andere denken, fühlen oder sprechen sollte (damit Du Dich dadurch gut, positiv und verbunden fühlen kannst).
Krass, oder? Ich war mir dessen damals überhaupt nicht bewusst. Ich hielt meine Einstellung für positiv und war überzeugt, dass sie auch den anderen guttäte. So anmaßend. Und so unwissend.
Aus meiner heutigen Sicht entsteht die Art der Verbundenheit, nach der Du Dich sehnst, indem Du sie erzeugen willst. Indem Du Dich interessiert verbindest und anfängst zu fragen:
„Erzähl mir mehr. Hilf mir zu verstehen, was Dich daran gerade so bewegt.“
Ich glaube, genau dort beginnen die Gespräche, nach denen sich so viele Menschen eigentlich sehnen. 💝
Herzliche Grüße
Petra 🤍
P.S.: Mich hat meine Haltung zum Coaching gebracht. Mich fasziniert bis heute, wie unterschiedlich wir Menschen ticken. Ich möchte verstehen, was andere bewegt. Weshalb sie fühlen, denken und handeln, wie sie es tun.
„Erzähl mir mehr. Ich möchte verstehen, warum Dich das gerade so bewegt.“
Dieser Satz ist für mich inzwischen ganz selbstverständlich geworden.
❤️ Mich würde jetzt etwas interessieren:
Welcher Satz hätte Dir in Deinem Leben gutgetan, statt vorschnell bewertet zu werden?
Wenn Du magst, schreib mir eine Mail an petra@feelgood-coaching.de – ich lese jede Nachricht persönlich.
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